Leipziger Triathlon: Gäste-Rekord und gemeinsame Zukunft mit Leipziger Gruppe
von Peter Krutsch | 29.07.2024
von Peter Krutsch | 02.09.2026
Friederike Bernhardt ist eine Expertin darin, aus Geräuschen jazzige Kompositionen zu machen. Diesmal arbeitet sie mit dem Sound der Leipziger Gruppe. Uraufgeführt wird das Klang-Experiment bei den 50. Leipziger Jazztagen – am 23. Oktober im Alten Speisesaal der Leipziger Stadtwerke.
Sound of Leipziger: Friederike Bernhardt beim Musizieren.
Wie klingt eigentlich Wasser? Zum Beispiel so: Einfach den Wasserhahn zuhause aufdrehen. Und ÖPNV? Das Geräusch von Straßenbahnen ist Leipzigern vertraut. Aber wie hört sich Energie an. „Ich denke da als Erstes an Neonröhren beim Anschalten. Aus diesem Geräusch habe ich sogar schon mal eine ganze Komposition entwickelt.“ Wenn es um das Ausloten des künstlerischen Raums zwischen Geräusch und Kunst geht, dann ist Bernhardt in ihrem Metier. Aktuell arbeitet die Komponistin und Pianistin an einem Stück, das im Rahmen der kommenden Leipziger Jazztage uraufgeführt wird – Titel des Abends: Sound of Leipziger. Aus Leipziger Energie-, Wasser- und Mobilitäts-Geräuschen erschafft sie Musik.
Hinter der ungewöhnlichen Aktion stecken zwei runde Geburtstage. Im zehnten Jahr der Leipziger Gruppe und im fünfzigsten der Leipziger Jazztage hoben beide Engagement-Partner das gemeinsame Projekt Sound of Leipziger aus der Taufe: Leipziger senden ihren persönlichen Leipziger-Gruppe-Sound ein und daraus entsteht eine Komposition.
Gesagt, getan. „Wir haben daraufhin Friederike gebeten, das Projekt umzusetzen, weil wir wissen, dass das ihr Spezialgebiet ist“, sagt Jana Wetzlich, Geschäftsführerin des Jazzclub Leipzig. Am 23. Oktober wird das Stück uraufgeführt, im Alten Speisesaal der Leipziger Stadtwerke an der Eutritzscher Straße. Energie trifft Jazz.
Home sweet home: Die Künstlerin in ihrem kreativen Zuhause.
Nach ihrem Studium der Dramaturgie und elektroakustischen Komposition in Leipzig arbeitete Bernhardt für berühmte Theaterhäuser wie dem Berliner Ensemble oder dem Wiener Burgtheater. Sie vertonte Hörspiele, komponierte für Filme und schuf unter anderem die Festival-Melodie für die euro-scene Leipzig. „Ich schieße mich dabei immer auf den Raum ein“, sagt Bernhardt. „Es ist wichtig, wo die Musik gespielt wird. Wahrscheinlich werden auch die vier Kronleuchter im Alten Speisesaal der Stadtwerke in den Sound of Leipziger einfließen – so wie auch mein persönliches Leipzig.“ Was klingt denn für Sie besonders in Leipzig, Frau Bernhardt?
„Der Hall im Völkerschlachtdenkmal. Bisamratten am Fluss. Die herrlich quietschende Tür bei meiner Drogerie in der Karli. Und die Amsel vor meinem Haus."
„Ihr Haus“ – das passt zu ihr wie die Spielfreiheit zum Jazz: perfekt. Bernhardt hat sich in den hohen Räumen der denkmalgeschützten Fabrikanten-Villa des ehemaligen Blüthner-Pianoforte-Werksgeländes eingerichtet. Ein Kreativ-Zentrum. Hier arbeitet Sie auch an ihrem Beitrag für das Sound of Leipziger. Zwischen Drums, Büchern, Gemälden, Keyboards, Kaninchen und Sitz-Landschaft steht sogar ein alter Blüthner-Flügel aus dem Jahr 1938. „Ich habe ihn von einem Professor der Hochschule für Musik und Theater gekauft. Er ist jetzt wieder zuhause.“
Leipziger Gruppe trifft Jazz: Unternehmenssprecher Peter Krutsch, Friederike Bernhardt und Jana Wetzlich (von links).
Die meisten Menschen gehen mit offenen Augen durch ihre Stadt, sie mit offenen Ohren. Im Studium habe sie gelernt, aus solchen Spaziergängen ganze Etüden zu bauen, sagt sie. Zum Beispiel aus dem Weg vom Schlafzimmer bis zum Hauptbahnhof. Sound of Leipziger - er gehört zu ihrem Alltag. Nun wird sie eine musikalische Geschichte aus den Geräuschen der Leipziger Gruppe entwickeln. „Ich bin selbst gespannt auf das Ergebnis. Sicher ist, ich werde mit einem Schlagzeuger arbeiten, der die Samples abfeuert. Mehr wird noch nicht verraten.“ Letzte Frage, Frau Bernhardt: Wie klingt der Schluss eines Blog-Artikels? „Das ist einfach. Hören Sie jetzt mal genau hin.“
Die Leipziger Jazztage finden vom 17. bis zum 25. Oktober 2026 statt. Dazu gibt es ein Warm-Up am 9. Oktober in der Kulturnhalle – offen für alle. Ebenso dabei im Jubiläumsjahr: Ein Audio-Walk – entwickelt mit dem GeyserHaus – lädt zum jazzigen Stadtspaziergang ein. Heruntergeladen werden kann er auf der App der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH. Dazu wird es auch zwei geführte Fahrradtouren geben. Mehr Infos auf www.jazzclub-leipzig.de/leipziger-jazztage. Der Vorverkauf zu einzelnen Konzerten läuft bereits.