12.242 Euro für Barrierefreiheit: DOK Leipzig schafft Spendenziel dank Leipziger Crowd
von Simone Liss | 21.08.2025
von Simone Liss | 06.07.2026
„Gute Nachbarschaft“ ist das Thema des Gemeinwohlparlaments Leipzig im neuen Parlamentsjahr 26/27. Was das bedeutet, hat uns Gaby Vallentin vom NordWest Stern Leipzig erzählt.
Hier kommen Menschen aus allen Himmelsrichtungen Leipzigs zusammen: im Stadtteilbüro NordWest Stern.
Hier kommen Menschen aus allen Himmelsrichtungen Leipzigs zusammen: im Stadtteilbüro NordWest Stern.
Im Paul-Möbius-Haus an der Georg-Schumann-Straße 126 wird gestrickt, gestickt, geschnackt und gute Nachbarschaft gepflegt.
Hier kommen Menschen aus allen Himmelsrichtungen Leipzigs zusammen: im Stadtteilbüro NordWest Stern. Sie folgen diesem Stern aus gutem Grund: Im Paul-Möbius-Haus an der Georg-Schumann-Straße 126 wird gestrickt, gestickt, geschnackt und gute Nachbarschaft gepflegt. „Hier werden zusammen Hausaufgaben erledigt, ,Mensch ärgere dich nicht‘ gespielt, gefeiert, gearbeitet, recherchiert“, sagt Gaby Vallentin.
Die 56 Jahre alte Mediengestalterin ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende des Vereins NordWest Stern. „Für viele unserer Gäste ist der NordWest Stern mittlerweile ein Fixstern in ihrem Alltag. Sie kommen rein, plaudern, tauschen sich aus, bieten Hilfe an, engagieren sich – es ist schön zu erleben, wie sich unser offenes Stadtteilbüro innerhalb von einem Jahr entwickelt hat und wie gut es angenommen wird. Es ist ein richtiger kleiner Anziehungspunkt für Menschen verschiedener Generationen geworden.“
Rund 60 Mitglieder und ehrenamtliche Unterstützer zählt der Verein aktuell. Unter ihnen Lehramtsstudenten, die ihr Wissen kostenlos an Schüler weitergeben; junge Frauen und Seniorinnen, die ihr Handarbeitswissen teilen; Jugendliche, die ihr Smartphone weglegen und zum Brettspiel greifen, um echte Gemeinschaft zu erleben. „Das Bedürfnis nach Gemeinschaft, gemeinsamen Erlebnissen, aber auch nach Hilfe und Unterstützung ist groß. Viele Menschen – jeden Alters – sind einsam: ob in Gohlis, Wahren oder Möckern. Wir bieten ihnen allen einen offenen, barrierearmen Raum und niedrigschwellige Angebote“, sagt Gaby Vallentin. In diesem Jahr noch will sie mit ihren Mitstreitern ein Sprach-Café ins Leben rufen: „Es soll sich an Menschen mit Migrationshintergrund wenden – vor allem an Erwachsene, denen es im Alltag oftmals nicht leichtfällt, Sprachbarrieren zu überwinden und Kontakte zu knüpfen.“
Im zweiten Schritt ist ein Café für Senioren und ein Queer-Café geplant. „Jeder soll sich unsere Café-Nachmittage leisten können. Deshalb wollen wir nach dem Prinzip ,jeder gibt, was er sich leisten kann‘ verfahren und schauen, ob dieses Solidaritätsprinzip aufgeht“, sagt Gaby Vallentin. Ohne institutionelle Unterstützung durch die Stadt Leipzig oder Initiativen wie das Gemeinwohlparlament Leipzig wird es aber kaum funktionieren – da sind sich Vallentin und ihr Team sicher. „Wir werden uns deshalb in diesem Jahr erneut beim Gemeinwohlparlament Leipzig bewerben. Das Jahresthema ,gute Nachbarschaft‘ ist unser Credo, und wir haben die Zuversicht, dass unsere Ideen auch bei der zweiten Parlamentssitzung am 1. Februar 2027 verfangen.“
Beim ersten Mal, am 5. Dezember 2025, haben sich die Parlamentarier für eine Förderung des Vereins NordWest Stern entschieden und eine Fördersumme in Höhe von 1.813 Euro ausgeschüttet. „Davon haben wir unter anderem eine kleine Küche gebaut, Elektrogeräte angeschafft, Flyer gedruckt, Fenster gestrichen und dekoriert“, sagt Gaby Vallentin. Mit Erfolg. „Nicht nur finanziell hat sich unser Engagement gelohnt. Wir haben uns unter anderem mit einem anderem erfolgreichen Projektstarter – dem soziokulturellen Verein ,Die Villa‘ – vernetzt, der uns nun bei der Idee des Sprach-Cafés unterstützt. Wir können auf die Erfahrungen der Villa aufbauen und unter anderem die Sprach-Spiele, die es bereits gibt, nachnutzen und fangen so nicht bei Null an.“
Leipzig – eine Stadt der guten Nachbarschaft
Somit ist auch die Idee des Gemeinwohlparlaments Leipzigs aufgegangen. Der Gemeinwohltopf ist nämlich mehr als ein Spendentopf, weil er die Gebenden in die Verantwortung nimmt und mit den Nehmenden in Verbindung bringt. Mit diesem besonderen Charakter ergänzt und erweitert der Gemeinwohltopf andere Angebote, sich für Leipzig einzusetzen.
„Leipzig wächst und entwickelt sich und mit der Stadt auch die Nachbarschaften. Menschen ziehen häufiger um. Vertraute Strukturen wandeln sich. Das Miteinander vor der Haustür wird anonymer. Manchmal wissen wir nicht mal mehr, wer nebenan wohnt“, sagt Prof. Timo Meynhardt, Vorsitzender des Leipziger Forums Gemeinwohl, Mitbegründer des GemeinwohlAtlas und Mitglied des Gemeinwohlparlaments Leipzig, das auch von der Leipziger Gruppe unterstützt wird.
„Gute Nachbarschaft entscheidet mit, ob sich ein Stadtviertel sicher, lebendig und menschlich anfühlt. Dafür braucht es konkrete Ideen und Engagement – von Menschen, die Leipzig kennen und hier leben. In der Stadt gibt es bereits viele wertvolle Initiativen, die auf kurzem Weg erreichbar sind, keinen Eintritt kosten und vertraute Gesichter bieten. Diese Initiativen schaffen Begegnung, fördern ein respektvolles Miteinander und erleichtern den Alltag. Das Gemeinwohlparlament Leipzig will im neuen Parlamentsjahr 26/27 Ansätze dieser Art stärken und neue Initiativen auf den Weg bringen und sie miteinander vernetzen.“