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Vom Trauercafé bis zur Trash Galore: Fünf Projekte mit Leipziger Zukunftspreis ausgezeichnet

von Simone Liss | 21.05.2026

Der Leipziger Zukunftspreis zeichnet innovative und nachhaltige Projekte aus, die die Stadt voranbringen. In diesem Jahr wurde unter anderem ein speziell entwickelter Kunststoff gewürdigt, aber auch soziale Projekte.

Die Gewinner des Leipziger Zukunftspreises 2025/26.

Die Gewinner des Leipziger Zukunftspreises 2025/26.

Volkmar Müller, Geschäftsführer der Leipziger Gruppe

Volkmar Müller, Geschäftsführer der Leipziger Gruppe

Innovative Ideen und nachhaltiges Handeln – das sind die maßgeblichen Kriterien für den Leipziger Zukunftspreis. Nun zeichnete das Forum Nachhaltiges Leipzig zusammen mit Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie Volkmar Müller, Geschäftsführer der Leipziger Gruppe, die Preisträger für 2025/26 aus.

In der Kategorie „Zeichen setzen, Spuren hinterlassen“ bekam der Zusammen e.V. die meisten Stimmen. Mit seiner „Kontaktstelle Wohnen“ hilft der Verein Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung bei der Wohnungssuche und bei gesellschaftlicher Teilhabe.

Unterstützung für Menschen mit Demenz

Den Preis für die Kategorie „Gemeinsam neue Ideen verwirklichen“ teilen sich der SelbstBestimmt Leben e.V. und das Hospizium Leipzig. Der Verein SelbstBestimmt Leben unterstützt Menschen mit Alzheimer und ihre Angehörigen durch Beratung, Austausch und offene Begegnungsangebote. 

Allein in Deutschland leiden 1,8 Millionen Menschen an Demenz-Erkrankungen – darunter 1,2 Millionen Menschen mit der Diagnose Alzheimer – fast doppelt so viele Menschen wie Leipzig Einwohner hat. Tendenz steigend. 

Alzheimer bedeutet ein Abschied auf Raten. Zwischen Diagnose und Tod liegen im Schnitt vier bis acht Jahre. Die Trauer, das tiefe Gefühl des Verlustes, beginnt lange vor dem Tod. Alzheimer-Patienten verlieren ihre Persönlichkeit, ihre Identität, ihre gemeinsame Geschichte mit ihren Partnern, Kindern, Freunden. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – alles, was verbindet, zerstört diese Krankheit. Gewohntes verschwindet, Rollen kippen und gemeinsame Pläne lösen sich auf.

Sandra Wünsche, Katrin Sattler und ihr 25-köpfiges Team – mehrheitlich im Ehrenamt – versuchen, diese Abwärtsspirale zu bremsen – unter anderem mit einem Chor, einem Tanzcafé, Pflanz-Aktionen, Selbsthilfegruppen und einem Trauercafé mit der liebevollen Grußformel: „Vergissmeinnicht“.

„Wenn wir mit dem Leipziger Zukunftspreis diesem Trauercafé den Weg bereiten, dann mit dem Wunsch, dass viele betroffene Menschen unsere Botschaft erreicht: Ihr seid nicht allein. Es gibt Hilfe. Und niemand muss sich dafür schämen, Hilfe anzunehmen. Wir sind Leipziger. Und wir halten in all unserer Vielfalt, Verletzlichkeit und Verantwortung zusammen. Und wir stehen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – auch im Pflegefall“, sagt Volkmar Müller, Geschäftsführer der Leipziger Gruppe. Der kommunale Unternehmensverbund sponsert den Leipziger Zukunftspreis seit seiner Initiierung vor 25 Jahren.

In seiner Laudatio erinnert Volkmar Müller daran, dass Alzheimer ein stilles Leiden ist: „Dass in dieser Stille ein Leipziger Verein Lärm schlägt und der Ohnmacht mit Musik, Tanz, Gesprächen und gemeinsamen Aktionen begegnet, ringt mir Respekt und Dankbarkeit ab. Sandra Wünsche, Katrin Sattler und Ihr Team entlasten durch persönliches, ehrenamtliches Engagement viele Menschen in dieser liebens- und lebenswerten Stadt.“

Sandra Wünsche, Volkmar Müller und Katrin Sattler (v.l.n.r.)

Sandra Wünsche, Volkmar Müller und Katrin Sattler (v.l.n.r.)

Kompliment vom Oberbürgermeister

Das Hospizium ermöglicht mit seinem Gartentherapie-Projekt schwerstkranken Menschen mehr Lebensqualität, Teilhabe und Freude.

Auch in der Kategorie „Zukunftsfähig Wirtschaften“ wird das Preisgeld geteilt: Trash Galore schafft mit der Vermittlung von gut erhaltenen Materialien aus Events neue soziale nachhaltige Nutzungen, und die Zellsiebe aus Biokunststoff von Pluri Select Life Science können in Laboren die sonst üblichen Kunststoffprodukte ersetzen.

„Mit diesen innovativen Ideen und nachhaltigem Handeln wird die Zukunft unserer Stadt aktiv mitgestaltet”, lobte OBM Jung im Festsaal des Neuen Rathauses, „Mut und gegenseitiger Respekt sind der Schlüssel für ein lebenswertes Heute und Morgen in unserer Stadt. Was für alle Bewerber – mehr als 50 – gilt: Sie pflegen nicht den Konjunktiv (man könnte, man müsste, man sollte), sie packen an und sind aktiv. Dafür danke ich allen.“

Laudatorin und Amtsleiterin des Amts für Wirtschaftsförderung Anja Hähle-Posselt betonte: „Unsere Preisträger zeigen eindrucksvoll, dass unternehmerischer Erfolg und nachhaltiges Wirtschaften kein Widerspruch sind. Mit innovativen Ideen, Mut und Verantwortungsbewusstsein leiste man „wichtige Beiträge für eine zukunftsfähige Wirtschaft – in Leipzig und weit darüber hinaus.“

Anerkennungspreise gab es zudem in der Kategorie „Zeichen setzen, Spuren hinterlassen“ für das Diakonische Werk Innere Mission Leipzig und den Klimabuchmesse e.V. sowie in der Kategorie „Gemeinsam Neue Ideen verwirklichen“ für das Projekt Neustalgie – Initiative für Umgestaltung.

Der Leipziger Zukunftspreis sowie der Projektfonds werden durch das Forum Nachhaltiges Leipzig ausgelobt und koordiniert. Träger des Forums Nachhaltiges Leipzig ist die Stadt Leipzig. Die Geldpreise und Projektförderungen werden durch die Leipziger Gruppe, die WEV Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH, die Sparkasse Leipzig und die VNG-Stiftung vergeben. 

 

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