Grün statt Grau: Was Jessis Bäume und die Leipziger Gruppe verbindet
von Simone Liss | 21.10.2025
von Simone Liss | 23.03.2026
25 Jahre Leipziger Zukunftspreis: Zeit für eine Bilanz. Ob Kita, KAOS, oder Caritas – so verschieden wie die Preisträger sind, so eint sie doch eines: Sie verwirklichen globale Nachhaltigkeitsziele durch lokale Aktivitäten und setzen so Zeichen, die über Leipzig hinausstrahlen.
Im Café kaputt in der Merseburger Straße 102 bringen Reparaturhelfer und Nutzer Alltagsgegenständen gemeinsam wieder zum Laufen.
Im Café kaputt in der Merseburger Straße 102 bringen Reparaturhelfer und Nutzer Alltagsgegenständen gemeinsam wieder zum Laufen.
Peter Schön (2.v.r.) und sein Team setzen auf alles, was wächst: Nachbarschaft, Nachwuchs und Know-how. Ihre Idee, alles miteinander im Sinne der Nachhaltigkeit zu verbinden, ist mit dem Leipziger Zukunftspreis 2023 gewürdigt worden.
Für Ralf Elsässer ist er ein Gütesiegel, für Lisa Kuhley ein Sprungbrett, für Peter Schön die Eintrittskarte in neue Sphären: der Leipziger Zukunftspreis. Seit 25 Jahren prämiert er Leipziger Bürger, Vereine, Initiativen, Kirchgemeinden, gemeinnützige Organisationen, kleine und mittelständische Unternehmen, die im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung Zeichen setzen, Spuren hinterlassen, gemeinsam neue Ideen verwirklichen oder zukunftsfähig wirtschaften. „Es geht darum, wie globale Nachhaltigkeitsziele durch lokale Aktivitäten verwirklicht werden – beispielsweise in den Bereichen Klima- und Ressourcenschutz, nachhaltige Arbeitswelt, Bildung oder Chancengerechtigkeit“, sagt Ralf Elsässer vom Forum Nachhaltiges Leipzig, das den Leipziger Zukunftspreis Jahr für Jahr auslobt.
114 Preisträger, mehr als 800 Bewerbungen, 53 finanzielle Starthilfen zählt das Forum bis heute. Die Sogwirkung des Preises sei ungebrochen. Am 19. Mai findet die nächste Preisverleihung statt: „Dann werden wir auf 120 Preisträger kommen – was zeigt, wie engagiert, kreativ und tatkräftig die Menschen in dieser Stadt sind, wenn es darum geht, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren und ein gutes Leben für alle zu ermöglichen“, sagt der 63-Jährige.
Peter Schön (2.v.r.) und sein Team setzen auf alles, was wächst: Nachbarschaft, Nachwuchs und Know-how. Ihre Idee, alles miteinander im Sinne der Nachhaltigkeit zu verbinden, ist mit dem Leipziger Zukunftspreis 2023 gewürdigt worden.
Seite an Seite: Die Leipziger Gruppe und der FC Blau-Weiß Leipzig.
Das Forum ist eine offene Bewegung von Leipziger Bürgern sowie von privaten und öffentlichen Institutionen, wird von der Stadt getragen und von Unternehmen wie der Leipziger Gruppe, der VNG-Stiftung, der Sparkasse Leipzig und der WEV Sachsen unterstützt.
Die ersten Preisträger im Jahr 2000 waren eine Elterninitiative zum Aufbau eines Waldkindergartens, der bis heute – inzwischen in der Trägerschaft der Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH – existiert, sowie das soziokulturelle Zentrum KAOS in Lindenau, das sein Außengelände für die öffentliche Nutzung hergerichtet und zugänglich gemacht hat. Auch diese prämierten Projektideen haben sich in Leipzig etabliert und weiterentwickelt:
Seite an Seite: Die Leipziger Gruppe und der FC Blau-Weiß Leipzig.
Reparieren statt Wegwerfen - das gilt auch für alte Bügeleisen.
Für Lisa Kuhley von der Reparaturinitiative „Café kaputt“ war 2022 der Leipziger Zukunftspreis deshalb ein Sprungbrett, weil die Auszeichnung zur Nominierung beim Deutschen Engagement Preis 2023 geführt hat. „Wir haben diesen renommierten Preis 2023 in der Kategorie ,Grenzen überwinden‘ gewonnen, was wir uns nie erträumt hätten. Einen bundesweit ausgelobten Preis hatten wir zuvor noch nie erhalten“, sagt die 40-Jahre alte Kulturwissenschaftlerin und Gründungsmitglied des Cafés, das es seit 2014 gibt. „Die mediale Aufmerksamkeit, die die Verleihung des Leipziger Zukunftspreises mit sich gebracht hat, war eine große Hilfe. Unsere Bekanntheit und Sichtbarkeit stiegen enorm – die Reichweite aller Sponsoren und Netzwerk-Partner zahlte sich aus. Eine Sogwirkung, die wir nie allein hätten erzeugen können.“
Bei aller Euphorie: „Wir sind nach wie vor auf finanzielle Unterstützung der Stadt, Fördergelder und Spenden angewiesen und im Vergleich zu einem Unternehmen, das schwarze Zahlen schreibt, alles andere als stabil, aber wir haben in den vergangenen Jahren durch die Preisgelder und Spenden aus der Zivilgesellschaft einen keinen finanziellen Puffer schaffen können, der uns in der derzeitigen prekären Haushaltslage enorm hilft und uns ermöglicht, unser Angebot zu erweitern: Die Heilsarmee übernimmt unser Konzept und eröffnet im Begegnungszentrum Südblick ein Reparaturcafé. Zudem haben wir im Kaufhaus Wiederschön der Stadtreinigung eine Reparaturwerkstatt eröffnet. So verkürzen wir die Wege für unserer Gäste, die immer mehr werden“, sagt Lisa Kuhley. Registrierte die Initiative 2023 genau 1261 Reparaturen, waren es 2025 schon 1802. „Wir sind mit unserem kleinen Werkstattraum, den vier Teilzeitbeschäftigten und rund 38 ehrenamtlichen Helfer*innen in Lindenau langsam an unserer Kapazitätsgrenze – auch dank des Leipziger Zukunftspreises. Damit die viele Leipziger*innen, die manchmal durch die halbe Stadt fahren, um bei uns Schlange zu stehen, Reparaturhilfe bekommen, ist es uns wichtig, dass auch in anderen Stadtteilen Initiativen wie an den Start gehen.“
Peter Krutsch, Pressesprecher Leipziger Gruppe, begleitet die Initiative seit vielen Jahren: „Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele kreative Köpfe in Leipzig mit neuen, mitunter kleinen, aber immer sehr konkreten Ideen die Lebensqualität in unserer Stadt voranbringen. Deshalb unterstützt die Leipziger Gruppe diese Initiative verlässlich. Denn wir haben alle das gleiche Ziel: Leipzig nachhaltig zu gestalten und jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Jedes Engagement zählt – im Großen wie im Kleinen. Hut ab für 25 Jahre Leipziger Zukunftspreis!“
Reparieren statt Wegwerfen - das gilt auch für alte Bügeleisen.
Grün statt Blau-Weiß: Der Club hat sich nicht nur dem Fußball verschrieben, sondern auch einer nachhaltigen Vereinsentwicklung. Bis 2030 soll und will der Club klimaneutral sein.
Für Peter Schön vom FC Blau-Weiß Leipzig war 2023 der Leipziger Zukunftspreis deshalb die Eintrittskarte in neue Sphären, weil die Auszeichnung die Tore zum Aktionsbündnis „Sport handelt fair“, das unter anderem vom HSV und FC St. Pauli protegiert wird, sowie zum Global Nature Fund geöffnet hat. „Durch die Strahlkraft, die die Preisverleihung erzeugt hat, sind viele Vereine und Initiativen aufmerksam geworden, und im Handumdrehen ist unser Netzwerk gewachsen. So haben wir uns 2024 bei ,Natürlich Fußball‘ beteiligt und sind auf die Stiftung ,Fußball stiftet Zukunft‘ aufmerksam geworden. Von dieser Stiftung sind wir für unsere Nachhaltigkeitsstrategie ,Blau-Weiß Leipzig – Klimaneutral 2030‘ ausgezeichnet worden. Zudem konnten wir einen Draht zum FC Internationale Berlin aufbauen. Für uns ein Gewinn: Jeder Verein, der sein Wissen und seine Erfahrung teilt, spart anderen möglicherweise Zeit, Geld und Ressourcen. Man beginnt nicht von vorn – das hilft sehr“, sagt Vorstandsmitglied Schön.
Momentan liege das Preisgeld des Leipziger Zukunftspreises – 4.000 Euro – noch auf einem Infrastrukturkonto des Vereins, mit dem die Eigenmittel für Flutlicht, Kunstrasenplatz, sechs Zisternen zum Regenwasserrückhalt, PV-Anlage, Wärmepumpe und Vereinsgarten bestritten werden sollen. Der FC Blau-Weiß Leipzig hat sich nicht nur dem Fußball verschrieben, sondern auch einer nachhaltigen Vereinsentwicklung. Bis 2030 soll und will der Club klimaneutral sein.
Der FC Blau-Weiß und sein Nachhaltigkeitskonzept sollen Role Model werden – quasi eine Open Source für alle Fußballvereine der Stadt. Dafür ist Ausdauer gefragt. Die hat Schön. Seit 1993 ist der passionierte Hobbyfußballer dem Verein treu. Jedes Jahr aufs Neue sucht der 41-Jährige nach neuen Ideen, das „Spiel“ um Sponsoren, Mitglieder, Nachwuchs und ehrenamtliche Helfer für den FC Blau-Weiß zu drehen – intelligent, geschickt und ausdauernd – wie ein guter Fußballer eben. 2015 haben schön und seine Mitstreiter für das integrative Fußballprojekt Leipzig United F.C. den „Agenda 21 Preis“ der Stadt Leipzig in der Kategorie „Ideen und Jugendprojekte“ gewonnen. Der Verein fördert durch Fußball aktiv die Integration von Kindern unterschiedlicher Herkunft. So gelingt Schön und seinem Verein nachhaltige Entwicklung auf simple und effektive Weise: durch praktisches Tun. Was beweist: Das Große beginnt im Kleinen.
Grün statt Blau-Weiß: Der Club hat sich nicht nur dem Fußball verschrieben, sondern auch einer nachhaltigen Vereinsentwicklung. Bis 2030 soll und will der Club klimaneutral sein.