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L wie Liebe: Vom CSD-Truck der Leipziger Gruppe zum Standesamt und zurück – die Golden Boys schließen 2026 den Kreis

von Simone Liss | 15.06.2026

Hape Kerkeling als Botschafter, Gold als Zeichen der Zeit und ein Versprechen: Der CSD Leipzig am 18. Juli wird alles außer gewöhnlich. Bereits eine Woche vor der CSD-Demonstration geben sich die Golden Boys in Leipzig das Ja-Wort. Was die Hochzeit von Tobias Hamm und Alexander Fenner mit dem CSD-Engagement der Leipziger Gruppe zu tun hat, erzählt diese L wie Liebesgeschichte. 

Die Golden Boys - Tobias Hamm und Alexander Fenner - geben sich eine Woche vor dem CSD in Leipzig das Ja-Wort.

Die Golden Boys - Tobias Hamm und Alexander Fenner - geben sich eine Woche vor dem CSD in Leipzig das Ja-Wort.

Verlobung vor tausenden Menschen: Auf dem CSD-Truck der Leipziger Gruppe haben sich Tobias Hamm und Alexander Fenner 2024 die Liebe versprochen und ihre Hochzeit mit einem Verlobungsring besiegelt.

Verlobung in Gold vor tausenden Menschen: Auf dem CSD-Truck der Leipziger Gruppe haben sich Tobias Hamm und Alexander Fenner 2024 die Liebe versprochen und ihre Hochzeit mit einem Verlobungsring besiegelt.

„Lebensretter“ ist ihr Lied. Der Song von Elli Berlin wird Alexander Fenner und Tobias Hamm am 11. Juli begleiten. An diesem Tag geben sich Alex – der Golden Boy aus Dresden – und Tobi, der Rebell aus dem schwäbischen Waiblingen (Baden-Württemberg), auf dem Leipziger Standesamt das Ja-Wort. In kleiner Runde, mit feinen Ringen. Ganz konventionell, ganz traditionell. Obschon das beide nicht sind, wenn sie sonst feiern. Beim CSD zum Beispiel. Dann wird Zuhause in Burghausen-Rückmarsdorf der Airbrush angeschmissen und Alex taucht in eine Wolke aus Goldstaub und Glitzer. 

Ganz wie der junge Mann in Kai Stänickes Kurzfilm „Golden“. Der Film aus dem Jahr 2016 zeigt, wie schwer das Aufwachsen für einen jungen, queeren Menschen ist. „Der Film soll daran erinnern, das LGBTQ-Personen im Alltag immer noch oft unfair behandelt und nicht akzeptiert werden. Auch wenn weltoffene Städte wie Berlin viel tun, um dagegenzuwirken. Als queerer Mensch aufzuwachsen, kann – vor allem abseits einer Großstadt, wo es wenig Aufklärung und Gleichgesinnte gibt – nach wie vor sehr schwer sein“, sagt Alex.

„In Leipzig konnten wir immer sein, wie wir sind: Menschen“

Anfangs ist Stänickes Protagonist der einzige goldene Mensch, kein anderer ist so wie er. Als er zum Studieren nach Berlin zieht, merkt er, dass er gar nicht so allein ist, wie er dachte. Viele goldene Menschen tauchen plötzlich in seinem Umfeld auf – bis er sich schließlich akzeptiert und verstanden fühlt. „Die Geschichte transportiert eine klare Botschaft: Egal, wo du bist, du bist nicht allein. Alle haben ihren Platz im Leben. Das ist auch unsere Erfahrung. Ich kam 2013 aus Waiblingen nach Leipzig, Alex kam 2007 aus Dresden-Neustadt hierher. Wir haben Leipzig als bunt, vielfältig, tolerant kennen und lieben gelernt. Hier konnten wir immer sein, wie wir sind: Menschen. Ohne Wenn und Aber“, sagt Tobias. 

Tobias ist alles andere als ein Goldjunge. Das Heimkind ist bei katholischen Nonnen aufgewachsen. „Ich bin mit meinem Anderssein überall angeeckt. Ich bin regelrecht ausgebrochen aus der vermeintlich malerischen Idylle Waiblingens und eine Zeit lang in der Stuttgarter Travestie-Szene untergetaucht. Damals habe ich das erste Mal Schutz und Fürsorge erfahren. Heute gibt mir Alex dieses Gefühl“, sagt Tobias.

Heiratsantrag vor tausenden Menschen auf dem CSD-Truck der Leipziger Gruppe

LVB-Banderole Wir sind Öffi für alle

„Die Leipziger Gruppe steht für Vielfalt und Chancengleichheit, macht sich für Toleranz stark und spricht sich gegen Hass und Hetze aus. Für uns, die wir viele Jahre genau das Gegenteil erlebt haben, bedeutet dieses klare Zeichen der Solidarität sehr viel“, sagt Alexander Fenner.

Leipzig ist für beide eine Glücksstadt. Hier, im Zoo, hatten sie ihr erstes Date. Hier frönen sie gemeinsam ihren unterschiedlichen Musik-Geschmäckern – Tobias, der „Metaller“, beim WGT; Alex, der „Popper“, beim Pop Fest oder CSD. Die Musik, die Menschen, der Goldrausch – all dies gab Alex vor zwei Jahren den Mut, Tobias einen Heiratsantrag zu machen: nicht in trauter Zweisamkeit, sondern vor tausenden Menschen auf dem CSD-Truck der Leipziger Gruppe. „Wir hatten an der Verlosung zur Teilnahme auf dem Tour-Truck teilgenommen und zu unserer Überraschung gewonnen. Die Stimmung war umwerfend und berauschend. Im Sog dieses Glücksgefühls habe ich mein Herz in die Hand genommen und Tobias gefragt – genau auf Höhe des großen L vor dem Mobilitätszentrum der LVB am Hauptbahnhof. Ein unvergesslicher Moment. Wir denken gern daran zurück“, sagt Tobias und lächelt Alex an. 

Dass beide am 18. Juli als verheiratetes Paar ein zweites Mal Gäste auf dem CSD-Truck der Leipziger Gruppe mitfahren dürfen, ist für beide eine große Ehre. „Die Leipziger Gruppe steht für Vielfalt und Chancengleichheit, macht sich für Toleranz stark und spricht sich gegen Hass und Hetze aus. Für uns, die wir viele Jahre genau das Gegenteil erlebt haben, bedeutet dieses klare Zeichen der Solidarität sehr viel“, sagt Alex und zitiert Elli Berlin: „Ich werde Stürme überstehen, Dein Rettungsanker sein. Ich kann nicht über Wasser gehen, doch für dich spring ich hinein.“

Das Motto des Leipziger Christopher Street Days 2026

Der Leipziger Christopher Street Day (CSD) findet 2026 unter dem Motto „Keine Ruhe, kein Zurück – Queere Rechte Stück für Stück“ unter der Botschaft von Hape Kerkeling statt. Man wolle steigenden Bedrohungen queerer Menschen entgegentreten, teilte der organisierende Verein CSD Leipzig mit. „Wir müssen die stille Mehrheit der Bevölkerung dazu bewegen, sich gegen den Rechtsextremismus und menschenverachtende Ideologien zur Wehr zu setzen und eine klare Haltung einzunehmen“, hieß es. „Wir werden nicht zurück in die Unsichtbarkeit gehen!“

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