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Naturschutz auf der Großbaustelle im Klärwerk Rosental. Wie geht das?

von Sonja Bley | 23.06.2026

Im Klärwerk Rosental entsteht eine der größten Baustellen der Leipziger Wasserwerke. Gleichzeitig liegt das Gelände im Natur- und Vogelschutzgebiet. Wie kann beides zusammen funktionieren?

Nadine Schippel schaut durch ihr Fernglas

Nadine Schippel auf dem Rundgang über die Baustelle im Klärwerk Rosental

Mitten im Auwald öffnet sich derzeit eine gewaltige Baugrube. Rund 100 Meter lang, 55 Meter breit und sieben Meter tief. Hier entsteht die neue biologische Reinigung des Klärwerks. Ein zentrales Bauwerk für die Zukunft der Abwasserreinigung in Leipzig.

Mehr zum Ausbau des Klärwerks Rosental

Doch was bedeutet eine Baustelle dieser Größe für Tiere und Pflanzen?

 

Nadine Schippel geht über die Baustelle

Hat den Naturschutz auf der Baustelle im Klärwerk Rosental im Blick - Nadine Schippel

Naturschutz auf der Baustelle im Klärwerk Rosental

Alle zwei Wochen ist Nadine Schippel im Klärwerk Rosental unterwegs. Als ökologische Baubegleiterin achtet sie darauf, dass Tiere und Pflanzen geschützt bleiben.
Ihr Blick geht dabei über das gesamte Gelände. Vom Boden bis in die Baumkronen.
 

Ökologische Baubegleitung beginnt bei den kleinsten Spuren

Nadine Schippel geht entlang der Baugrube, den Blick am Boden. Sie bleibt stehen und schaut in eine Senke im Boden. Dann geht sie weiter zur nächsten. Und zur nächsten.
Diese Hohlräume sind beim Verbau der Baugrube entstanden. Für Tiere können sie zur Falle werden oder als Versteck dienen. „Ich kontrolliere jede dieser Stellen“, sagt sie. „Manchmal entscheidet genau so ein Ort darüber, ob wir eingreifen müssen.“

Besonders aufmerksam kontrolliert sie Nischen, Sandhaufen oder Pfützen. Hier legen Insekten Nistgänge an, und Amphibien nutzen Tümpel als Laichstätte. 
 

Vogelschutz auf der Baustelle im Leipziger Auwald

Mit dem Fernglas sucht sie die umliegenden Bäume ab. Ein Nest ist schnell entdeckt.
Es wirkt verlassen. „Das war schon im letzten Jahr da“, sagt sie. „Ich prüfe regelmäßig, ob es wieder genutzt wird.“ Wichtiger als das Nest selbst ist das Verhalten der Vögel. Unruhe oder Warnrufe zeigen, ob hier gebrütet wird. An diesem Tag bleibt alles ruhig.
 

Ein spatzenähnlicher Vogel - der Zilpzalp - auf einem Brombeerbusch

So ein Zilpzalp brütete im Auwald

Wenn Naturschutz den Bauablauf beeinflusst

Wie wichtig diese Kontrollen sind, hat sich im vergangenen Jahr gezeigt. Bei Vorbereitungsarbeiten im Auwald wurde ein brütender Zilpzalp entdeckt. Die Maßnahmen mussten unterbrochen werden. Die Stelle wurde gesichert und regelmäßig kontrolliert. Erst nachdem die Vogelfamilie nach rund vier Wochen ausgezogen war, ging es weiter. „In dieser Zeit habe war ich mehrmals in der Woche hier, damit die Arbeiten nicht länger als nötig ruhen mussten“, sagt Schippel.  Solche Situationen sind selten. Aber sie zeigen, wie Naturschutz ganz konkret wirkt.
 

Planung im Klärwerk Rosental mit Rücksicht auf Natur und Umwelt

Damit es gar nicht erst zu Konflikten kommt, beginnt der Naturschutz schon in der Planung.
Gemeinsam mit den Leipziger Wasserwerken werden sensible Bereiche identifiziert und berücksichtigt.
Eine alte Weidengruppe auf dem Gelände bleibt zum Beispiel erhalten. Sie bietet Lebensraum für viele Arten und wird bewusst in die Planung einbezogen.

Warum sich der Aufwand lohnt

Das Klärwerk Rosental ist die größte Kläranlage der Leipziger Wasserwerke und wird noch Jahre im Umbau sein. Doch der Rundgang zeigt: Es geht hier nicht nur um Beton und Technik. Es geht auch um die kleinen Dinge am Rand der großen Baustelle. Um Mulden im Boden. Verlassene Nester. Und um den genauen Blick einer Expertin, die dafür sorgt, dass selbst auf einer Großbaustelle Platz für Natur bleibt.
„Man muss genau hinschauen“, sagt Nadine Schippel. „Dann findet man Lösungen, die für alle funktionieren.“

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