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Mathe und Mate: Besuch beim Projektleiter der Solarthermie Leipzig

von Peter Krutsch | 10.06.2026

Deutschlands größte Solarthermie-Anlage vernetzt Sonnen-Energie mit der Leipziger Fernwärme. Leiter des Bau-Projekts ist Erik Jelinek. Wir haben ihn vor Ort auf der Baustelle der Solarthermie Leipzig West besucht – kurz vor der Inbetriebnahme der Anlage in diesem Monat.

Jelinek auf der Anlage

In seinem Element: Erik Jelinek inmitten des Felds aus Kollektoren in Leipzig-Lausen.

Zwei Projektleiter für die Solarthermie Leipzig West auf der Baustelle

Erik Jelinek (rechts) mit Guido Wimmer, seinem Kollegen der Partnerfirma Ritter XL Solar.

Wie fühlt es sich an, wenn man das bislang größte Projekt seines Lebens erfolgreich beendet? „Hm“, sagt Erik Jelinek, „ziemlich gut. Ich bin dankbar dafür, diese Chance bekommen zu haben. So etwas macht man nicht alle Tage.“ 

Der 37-Jährige steht auf einem Erdhaufen am Rande des Geländes der neuen Solarthermie Leipzig West. In deren Kollektoren spiegelt sich der Himmel. Es ist Juni. Noch in diesem Monat startet die Inbetriebnahme. Die Anlage speist dann, nach zweieinhalb Jahren Bauzeit, von der Sonne erhitztes, bis zu 110 Grad heißes Wasser ins Fernwärme-Netz ein. So vermeiden die Stadtwerke im Jahr mehr als 7.000 Tonnen CO₂. Technisch ist alles fertig, die Inbetriebsetzung läuft auf Hochtouren. Nur noch wenige Restarbeiten für die Fläche sind zu tun. Jelinek schaut zufrieden übers Kollektoren-Feld. „Ein tolles Team-Ergebnis.“

Das Ergebnis ist aktuell die größte Solarthermie Deutschlands. Im Sommer liefert die Solarthermie Leipzig West bis zu rund 20 Prozent des täglichen Leipziger Wärmebedarfs, übers Jahr im Schnitt rund zwei Prozent. Nicht nur ihre Energie, auch ihre Bewirtschaftung ist umweltfreundlich. Unter den Kollektoren grünt das Gras. Der Löwenzahn blüht. Bald gibt es Blühwiesen und Mischhecken – und Raum für tierische Gäste. Die ersten sind schon da. Hasen. Krähen. Igel. Im Hügel, auf dem Jelinek steht, hat es sich ein Fuchs gemütlich gemacht. „Das Tier stand auf einmal am helllichten Tag hier und schaute uns an, so nach dem Motto: Was macht Ihr den hier?“

Team-Play und Offenheit für Neues

Jelinek am Rechner

Erik Jelinek in seinem Vor-Ort-Büro, einem Container auf der Baustelle der Solarthermie Leipzig West in Lausen.

Gute Frage. Ihr – das ist Jelineks Team aus Kollegen der Leipziger Stadtwerke und vieler Partnerfirmen. Jede Woche trafen sie sich hier zur Baubesprechung in einem der Container des kleinen Bau-Dorfs in Leipzig-Lausen. Dann saßen bis zu 22 Männer im Beratungsraum zum Fachfirmen-Austausch. Immer im Blick: der meterlange Technik-Plan an der Wand. Im Nachbar-Container ein Vor-Ort-Büro. Ein Arbeitstisch für Jelinek und drei Kollegen: Projektleitung, Arbeitssicherheit, Bauleiter, Fachingenieur. Vier Computer. Spinde. Wasch-Gelegenheit. Mini-Küche. Mikro-Welle. Kartoffelsalat vom nahen Aldi. Eingeschweißte Bratwurst. Limonade. Wasser. Kaffee.

Letzteren trinkt Jelinek aber nie. Der in sich ruhende Mann mit den munteren Augen und dem sonnigen Gemüt hat immer Mate-Tee dabei. „Dahinter steckt eine Familien-Geschichte. Meine Frau ist aus Mexiko. Mein Vater lebt in Paraguay.“ Die Offenheit für andere Einflüsse, sie prägt auch seinen Lebenslauf. 

Den gebürtigen Suhler zog es nach der Schule schnell in die Ferne. Nach erfolgreichem Abitur mit Chemie- und Mathe-Leistungskurs reiste er ein Jahr durch Australien. „Work and Travel. Ich habe vieles gemacht, unter anderem Erntehelfer. Danach konnte ich ein Jahr keine Süßkartoffeln mehr sehen. Aber es war eine wichtige Erfahrung. Und ich habe mein Englisch verbessert.“ 

Ein Herz für Erneuerbare Energien

Jelinek und Krutsch

Gespräch mit dem Reporter vor Ort - den Bauplan der Solarthermie Leipzig West immer im Blick.

Auf Wehrdienst folgte Studium: Energie- und Verfahrenstechnik mit Masterarbeit über Turbinen-Entwicklung als Werks-Student bei Siemens. Rolls Royce stellte den frisch gebackenen Ingenieur als Test-Manager für Flugzeug-Turbinen ein. Hier bekam er ein erstes Gefühl für das Zusammenspiel aus Zeit, Budget und Team-Führung. Nach zehn Jahren Berlin wechselte er nach Leipzig.

„Ich habe einen Anruf bekommen, ob ich die Energiewende hier voranbringen möchte. Das war und ist genau das, was ich will. Erneuerbare sind für mich eine Herzensangelegenheit.“ Jelinek ist stolz auf die Anlage und ihren Umwelt-Beitrag. Ob er, der CO₂-Einsparfuchs, inzwischen heimisch geworden ist? „Leipzig ist schon anders als Berlin. Aber inzwischen liebe ich es. Kurze Wege, Kultur, Lebensqualität und viel Natur.“ Zu letzterer trägt auch die Solarthermie Leipzig West bei. Im Oktober will Jelineks Team als allerletzte Bau-Etappe Anpflanzungen machen. Ob der Fuchs dann noch da ist? Zumindest hat ein humorvoller Kollege am Eingang zum Fuchs-Bau schon mal ein Schild aufgestellt: „Herr Fuchs – und Frau Elster?“

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