Die Trasse mit dem Knick in der Leitung
Wenn jemand sehr lange braucht, um etwas zu begreifen, dann hat er redensartlich „einen Knick der Leitung". Die Redewendung stammt aus einer Zeit, als die Telefontechnik noch in den Kinderschuhen steckte. Auch die Fernwärmetrasse RE=FILL hat einen Knick in der Leitung. Im besten Sinn und aus gutem Grund: Fernwärmerohre sind zwar isoliert, werden im Inneren aber richtig heiß, bis zu 130 Grad Celsius. Der Stahl dehnt sich daher aus. Und eine schnurgerade Leitung über mehrere hundert Meter würde zu einer Spannungsüberschreitung der Stahlrohre führen. Die Folge: dauerhafte Verformungen der Leitung, die bei Temperaturänderungen zu Schäden führen. Der Knick nimmt den Druck raus. Er ist sozusagen der Dehnungsfugen-Trick unter den Fernwärmeleitungen: Er gibt dem Rohr einen kleinen Bewegungsraum, fängt die Wärmeausdehnung ab und schützt die Trasse langfristig.
Und auch die Route folgt keiner Laune, sondern einer Logik. 15 Kilometer Luftlinie wären die kürzeste Verbindung zwischen Leuna und Kulkwitz und der Traum aller Planer. 19 Kilometer sind allerdings notwendig: So wird die Nähe zu Wohnbebauungen gemieden und die Trasse verläuft nicht über sensible Naturflächen.