Fernwärme aus Sonnenenergie: Im Frühjahr 2026 soll's losgehen
von Simone Liss | 07.07.2025
von Simone Liss | 20.01.2026
Fernwärme spielt eine zentrale Rolle bei der Wärmewende. Welche Städte in Deutschland die größten Fernwärme-Netze haben, wer sie betreibt, und welche Rolle Leipzig und die Leipziger Stadtwerke dabei spielen, lesen Sie hier.
Nachhaltige Erzeugung, hoher Wirkungsgrad, geringe Preisschwankungen: Fernwärme ist ein wichtiger Baustein für Leipzigs Wärmewende. Rund ein Drittel aller Leipziger profitiert bereits von den Vorteilen der Fernwärmeversorgung.
Nachhaltige Erzeugung, hoher Wirkungsgrad, geringe Preisschwankungen: Fernwärme ist ein wichtiger Baustein für Leipzigs Wärmewende. Rund ein Drittel aller Leipziger profitiert bereits von den Vorteilen der Fernwärmeversorgung.
Auch 2026 will Leipzig bei der Wärmewende weiter vorankommen. Laut Bundesgesetz muss der Leipziger Stadtrat bis zum 30. Juni einen Wärmeplan beschließen. Der legt fest, in welchen Gebieten künftig Fernwärme angeboten wird – und wo andere Technologien Vorrang genießen (wie Wärmepumpen). Im Oktober vergangenen Jahres legte die Kommune einen Entwurf vor.
In Lausen-Grünau werden im Frühjahr die letzten Arbeiten an Deutschlands größter Solarthermie-Anlage abgeschlossen. Im Juni soll die Anlage den Regelbetrieb aufnehmen.
Jedoch waren noch Prüfgebiete offen, wie Teile von Rückmarsdorf-Burghausen, Großzschocher, Grünau, Schleußig, Dölitz, Knauthain oder Mölkau. Laut Baubürgermeister Thomas Dienberg soll der Wärmeplan rechtzeitig im Juni beschlossen werden. Das Pilotprojekt Südvorstadt West läuft bereits. Überlappend folgt der Fernwärme-Ausbau weiterer Gebiete. Vorn stehen dabei Gohlis Süd, Klinikum St. Georg, Neulindenau, Reudnitz, Waldstraßenviertel.
Die ganze Stadtsoll CO2-frei heizen können. 60 Prozent der Leipziger Haushalte sollen in Zukunft mit Fernwärme versorgt werden – doppelt so viel wie heute. Um das zu erreichen, drehen die Leipziger Stadtwerke und ihr Tochterunternehmen – die Netz Leipzig – viele kleine und große Stellschrauben: Sie bauen gerade die größte Solarthermie-Anlage Deutschlands in Lausen-Grünau (nimmt offiziell im Juni 2026 den Regelbetrieb auf) und eine Fernwärmetrasse nach Leuna (nimmt 2028 den Regelbetrieb auf). Damit könnten etwa 40 Prozent der in Leipzig verbrauchten Fernwärme klimaneutral sein. Als nächstes, größeres Projekt wollen die Leipziger Stadtwerke auch Abwärme aus dem Klärwerk im Rosental nutzen.
In Lausen-Grünau werden im Frühjahr die letzten Arbeiten an Deutschlands größter Solarthermie-Anlage abgeschlossen. Im Juni soll die Anlage den Regelbetrieb aufnehmen.
Leipzig hat gegenüber anderen Städten in Deutschland einen Riesen-Vorteil: Die Stadt besitzt mit 530 Kilometern eines der größten Fernwärme-Netze in der Bundesrepublik und liegt nach Berlin, München, Hamburg, dem Ruhrgebiets-Verbundnetz Bottrop, Essen und Gelsenkirchen, Flensburg, Dresden und Mannheim auf Platz 8 im Ranking der deutschen Fernwärme-Netze.
Das Fernwärme-Netz der Berliner Energie und Wärme AG ist mit rund 2.000 Kilometern Trassenlänge das mit Abstand größte zusammenhängende Wärmenetz in Westeuropa. Es versorgt etwa 1,4 Millionen Wohneinheiten. Technologisch setzt Berlin auf einen Mix aus modernen Gas- und Dampfturbinen, Großwärmepumpen und Abwärme.
Die Plätze 2 und 3 teilen sich München und Hamburg mit einer Netzlänge von jeweils rund 900 Kilometern. Der Fokus bei den Stadtwerken München liegt auf der Nutzung von Tiefengeothermie. Die Hamburger Energiewerke setzen dagegen verstärkt auf industrielle Abwärme sowie Power-to-Heat-Anlagen, um überschüssigen Windstrom in Wärme umzuwandeln.
Flensburg besitzt mit mehr als 98 Prozent die höchste Fernwärme-Anschlussdichte einer Stadt in Deutschland. Das Netz der Stadtwerke Flensburg erstreckt sich über 700 Kilometer und ist so leistungsfähig, dass es grenzüberschreitend die dänische Stadt Padborg mitversorgt. Die Fernwärme in Flensburg wird durch Großwärmepumpen und Elektrodenheizkessel erzeugt.
Das Netz der MVV Energie aus Mannheim ist besonders, da es als Fernwärmeschiene Rhein-Neckar auch Heidelberg, Schwetzingen und Speyer verbindet. Mit einer Gesamtlänge von rund 600 Kilometern ist es eines der größten regionalen Verbundnetze in Deutschland. Als Wärmequellen dienen eine Müllverbrennungsanlage, Biomasse sowie eine Flusswärmepumpe.
Nach Angaben des Wirtschaftsverbands BDEW und der Deutschen Energie-Agentur existieren in Deutschland rund 3.800 Fernwärme-Netze (Wassernetze) mit einer Länge von insgesamt rund 36.900 Kilometern. Rund 53 Prozent der Fernwärme fließt in private Haushalte beziehungsweise Wohnungsgesellschaften. 45 Prozent der erzeugten Wärme wird aus erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme gewonnen.
Jedes Wärmenetz ist anders. Wärme ist ein lokales Produkt, das sich im Vergleich zu Strom oder Gas nicht über lange Strecken transportieren lässt und zumeist in der Hand kommunaler Unternehmen liegt. Damit bleibt auch die Wertschöpfung in der Kommune. Für Leipzig bedeutet das: Jeder Euro, den die Leipziger Stadtwerke in den Umbau des Erzeugungsportfolios und die Weiterentwicklung der Fernwärme investieren, führt zu rund 1,90 Euro lokaler Wertschöpfung im Versorgungsgebiet.
Entscheidend für Fernwärmepreise sind die Entwicklungen am Wärmemarkt, sowie insbesondere folgende Faktoren: die Wärmeerzeugung (Energieträger, Energiequellen und Erzeugungstechnologien), die Länge, Verteilstruktur und das Alter des Wärmenetzes sowie die Anzahl und Abnahmesituation der Kunden (Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus, Industriebetrieb oder Gewerbebetrieb). Weil sich diese Faktoren von Ort zu Ort unterscheiden, unterscheiden sich auch die Preise für Fernwärme von Ort zu Ort.
Blick in die Chronik der Leipziger Stadtwerke: Sie erzählt unter anderem die Geschichte der Leipziger Fernwärme und zeigt das Städtische Leihhaus – 1913 der erste Fernwärmekunde.
Vorläufer von Fernwärmeheizungen existierten bereits vor mehr als 2.000 Jahren. Denn schon die Römer leiteten heißes Thermalwasser über Rohre unter Gebäude und beheizten so ihre Böden. Die Idee, Fernwärme in größerem Umfang und kommerziell zu nutzen, entstand jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Durch die Verringerung der Anzahl an Feuerstätten in den Innenstädten wurde die Gefahr von Bränden gemindert und der Verschmutzung durch Kohle und Asche Einhalt geboten. Die ersten Fernwärmesysteme der Neuzeit wurden in den 1870er und 1880er Jahren im New Yorker Vorort Lockport und dann in New York selbst errichtet.
1911 zog Berlin nach: Im Zuge der Erweiterung des Rathauses Charlottenburg entschloss man sich zum Wärmebezug aus dem Städtischen Elektrizitätswerk Charlottenburg. Dafür wurde eine 800 Meter lange Verbindungsleitung gebaut. Die Inbetriebnahme erfolgte im Herbst 1912. Das Heizkraftwerk Charlottenburg gilt somit als Pionierbetrieb für Fernwärme und schrieb Technikgeschichte. Leipzig zog unmittelbar nach: https://www.l.de/blog/raffiniert-leuna-waermt-leipzig
Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag ist mit Unterstützung von Jürgen Walk, Redakteur Wärme, Mobilität Zeitung für kommunale Wirtschaft, entstanden.
Blick in die Chronik der Leipziger Stadtwerke: Sie erzählt unter anderem die Geschichte der Leipziger Fernwärme und zeigt das Städtische Leihhaus – 1913 der erste Fernwärmekunde.