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Das Gründach: Leipziger Wasserwerke erforschen seine Wirkung

von Sonja Bley | 04.06.2026

Ein Gründach funktioniert wie ein natürlicher Schwamm. Das Gründach speichert Regenwasser und gibt es erst wieder ab, wenn es gesättigt ist. Doch wie effektiv ist es wirklich? Die Leipziger Wasserwerke sind dieser Frage gemeinsam mit Partnern in einem Forschungsprojekt nachgegangen.

Das Gründach: Leipziger Wasserwerke erforschen seine Wirkung

Gründächer speichern Wasser und sorgen für Biodiversität

Warum Gründächer für die Wasserwerke so wichtig sind

Für die Wasserwerke geht es bei Gründächern nicht nur um Begrünung oder Optik. Entscheidend ist vielmehr: Wie viel Wasser halten Gründächer tatsächlich zurück und wie entlasten sie damit das Kanalnetz? Denn in Städten wie Leipzig trifft viel Wasser in kurzer Zeit auf versiegelte Flächen, wie Straßen, Parkplätze, Dächer. Das belastet die Kanalisation. Die Idee der Schwammstadt setzt genau hier an. Regenwasser soll gespeichert, verdunstet und verzögert abgegeben werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei Gründächer. Doch wie gut funktionieren sie tatsächlich?

Gründächer im Test

Auf dem Gelände der alten Kläranlage in Leipzig-Leutzsch entstand eine Versuchsanlage. Dort wurden acht verschiedene Gründächer, ein Kiesdach und ein herkömmliches Dach aufgebaut. 
Die Dächer unterschieden sich u. a. in:

  • Substratdicke
  • Aufbau
  • Pflanzen
  • technischen Elementen wie Drosseln


Zum Einsatz kamen dabei extensive, intensive und sogenannte Retentionsdächer – also einfache, pflegearme Begrünungen, aufwendig aufgebaute Dachgärten sowie speziell entwickelte Systeme mit zusätzlichem Wasserspeicher und gedrosseltem Ablauf. Über diese Drosselung wird gesteuert, wie viel Regenwasser im Gründach zurückgehalten und wie schnell es wieder abgegeben wird.

Das Gründach: Leipziger Wasserwerke erforschen seine Wirkung

Auf der Versuchsanlage wurden acht Gründächer und zwei Normaldächer getestet

Vom Nieselregen bis Starkregen

Auf der Anlage kam der Regen auf Knopfdruck. Mit einer speziellen Beregnungstechnik wurden unterschiedliche Szenarien simuliert:

  • normale Regenfälle
  • Starkregen
  • sogar ein 100-jähriges Regenereignis, also besonders hohe Niederschläge

So ließ sich erstmals genau messen:

  • Wie viel Wasser ein Dach speichert
  • Wann es wieder abfließt
  • und wie stark die Abflussspitzen reduziert werden.
     

„Uns interessierten insbesondere die Starkregenereignisse. Für den 100-jährigen Regen ließen wir 730 Liter in 60 Minuten auf das Dach regnen.”

Andrea Bernhardt

Wasserwerke-Projektleiterin

Das Gründach: Leipziger Wasserwerke erforschen seine Wirkung

Die Beregnung der Gründächer erfolgte auf Knopfdruck

MaNuGrün: Ein Leipziger Projekt

Das Forschungsprojekt „Management außergewöhnlicher Niederschlagsereignisse im urbanen Raum mit Hilfe von Gründächern“ (MaNuGrün) untersuchte die Wirksamkeit von Gründächern auf der Versuchsanlage der Alten Kläranlage Leutzsch. Der Bildungs- und Demonstrationszentrum Dezentrale Infrastruktur (BDZ) e.V. leitete das Projekt mit Unterstützung der Leipziger Wasserwerke. Weitere Partner waren die Stadtentwässerung Dresden, die HTWK Leipzig und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Nach drei Jahren ist das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt nun erfolgreich abgeschlossen. „Nun gibt es belastbare Daten zur Wirksamkeit und Widerstandsfähigkeit verschiedener Gründächer“, erklärt Wasserwerke-Projektleiterin Andrea Bernhardt.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

Die Ergebnisse sind eindeutig und für Leipzig besonders relevant.

  1. Gründächer entlasten die Kanalisation spürbar
    Begrünte Dächer speichern Wasser und geben es zeitverzögert ab. Dadurch entstehen deutlich geringere Abflussspitzen. Im Gegensatz dazu leiten normale Dächer Regenwasser fast sofort und vollständig ab.
  2. Nicht jedes Gründach wirkt gleich
    Die Wirkung hängt stark vom Aufbau ab. Extensive Dächer dämpfen den Abfluss, aber oft ohne Verzögerung. Intensive Dächer geben Wasser langsamer ab und bieten die Möglichkeit für artenreichen Bewuchs. 
    Retentionsdächer sind die Profis. Dahinter steht eine Technik, die den Ablauf genau regelt. Vor allem Häuser im innenstädtischen Bereich müssen mit einer Retentionstechnik ausgestattet werden. Diese sind darauf ausgelegt, noch mehr Wasser zu speichern und gedrosselt abzugeben.
  3. Gründächer verbessern das Stadtklima
    Ein Teil des gespeicherten Wassers verdunstet wieder. Das sorgt für Kühlung an heißen Tagen und verbessert das Mikroklima.


Auch für Hausbesitzer lohnt sich ein Gründach

Nicht nur die Stadt profitiert. Auch privat kann sich ein Gründach auszahlen:

  • geringere Belastung der Entwässerung
  • mögliche Einsparungen bei Niederschlagswassergebühren
  • zusätzlicher Schutz der Dachabdichtung
  • ökologische Aufwertung des Gebäudes
  • Beitrag zur Biodiversität durch artenreichen Bewuchs
  • Anbau von Lebensmitteln auf dem heimischen Gründach


Lassen Sie sich beraten! Die Leipziger Wasserwerke und das BDZ bieten Führungen auf der Gründachanlage an und beraten Sie zu den verschiedenen Dachsystemen. 

Ein Dach mit Wirkung

Das Leipziger Projekt zeigt klar:

  • Gründächer sind ein Schlüsselbaustein der Schwammstadt.
  • Sie wirken messbar – und zwar genau dort, wo es für Städte entscheidend ist: im Umgang mit Wasser.

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