„Uns interessierten insbesondere die Starkregenereignisse. Für den 100-jährigen Regen ließen wir 730 Liter in 60 Minuten auf das Dach regnen.”
Andrea Bernhardt
Wasserwerke-Projektleiterin
von Sonja Bley | 04.06.2026
Ein Gründach funktioniert wie ein natürlicher Schwamm. Das Gründach speichert Regenwasser und gibt es erst wieder ab, wenn es gesättigt ist. Doch wie effektiv ist es wirklich? Die Leipziger Wasserwerke sind dieser Frage gemeinsam mit Partnern in einem Forschungsprojekt nachgegangen.
Gründächer speichern Wasser und sorgen für Biodiversität
Für die Wasserwerke geht es bei Gründächern nicht nur um Begrünung oder Optik. Entscheidend ist vielmehr: Wie viel Wasser halten Gründächer tatsächlich zurück und wie entlasten sie damit das Kanalnetz? Denn in Städten wie Leipzig trifft viel Wasser in kurzer Zeit auf versiegelte Flächen, wie Straßen, Parkplätze, Dächer. Das belastet die Kanalisation. Die Idee der Schwammstadt setzt genau hier an. Regenwasser soll gespeichert, verdunstet und verzögert abgegeben werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei Gründächer. Doch wie gut funktionieren sie tatsächlich?
Auf dem Gelände der alten Kläranlage in Leipzig-Leutzsch entstand eine Versuchsanlage. Dort wurden acht verschiedene Gründächer, ein Kiesdach und ein herkömmliches Dach aufgebaut.
Die Dächer unterschieden sich u. a. in:
Zum Einsatz kamen dabei extensive, intensive und sogenannte Retentionsdächer – also einfache, pflegearme Begrünungen, aufwendig aufgebaute Dachgärten sowie speziell entwickelte Systeme mit zusätzlichem Wasserspeicher und gedrosseltem Ablauf. Über diese Drosselung wird gesteuert, wie viel Regenwasser im Gründach zurückgehalten und wie schnell es wieder abgegeben wird.
Auf der Versuchsanlage wurden acht Gründächer und zwei Normaldächer getestet
Auf der Anlage kam der Regen auf Knopfdruck. Mit einer speziellen Beregnungstechnik wurden unterschiedliche Szenarien simuliert:
So ließ sich erstmals genau messen:
„Uns interessierten insbesondere die Starkregenereignisse. Für den 100-jährigen Regen ließen wir 730 Liter in 60 Minuten auf das Dach regnen.”
Andrea Bernhardt
Wasserwerke-Projektleiterin
Die Beregnung der Gründächer erfolgte auf Knopfdruck
Das Forschungsprojekt „Management außergewöhnlicher Niederschlagsereignisse im urbanen Raum mit Hilfe von Gründächern“ (MaNuGrün) untersuchte die Wirksamkeit von Gründächern auf der Versuchsanlage der Alten Kläranlage Leutzsch. Der Bildungs- und Demonstrationszentrum Dezentrale Infrastruktur (BDZ) e.V. leitete das Projekt mit Unterstützung der Leipziger Wasserwerke. Weitere Partner waren die Stadtentwässerung Dresden, die HTWK Leipzig und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Nach drei Jahren ist das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt nun erfolgreich abgeschlossen. „Nun gibt es belastbare Daten zur Wirksamkeit und Widerstandsfähigkeit verschiedener Gründächer“, erklärt Wasserwerke-Projektleiterin Andrea Bernhardt.
Die Ergebnisse sind eindeutig und für Leipzig besonders relevant.
Nicht nur die Stadt profitiert. Auch privat kann sich ein Gründach auszahlen:
Lassen Sie sich beraten! Die Leipziger Wasserwerke und das BDZ bieten Führungen auf der Gründachanlage an und beraten Sie zu den verschiedenen Dachsystemen.
Das Leipziger Projekt zeigt klar: