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Laufend am Start: Was Dauerläufer am Leipzig Marathon reizt

von Simone Liss | 17.03.2026

Laufen ist ihre Droge. Sie sind auf LSD (Long Slow Distance) und extrem fokussiert – auf sich und ihr Ziel: 42,195 Kilometer. Beim Marathon geht es vor allem ums Wollen, weniger ums Können. Wir haben drei Lauf-Nerds getroffen, die Marathons wie Meriten sammeln und seit Jahrzehnten dem Leipzig Marathon die Treue halten.

Benjamin Wagenknecht nimmt jede Hürde auf dem Weg zum Schülermarathon.

Benjamin Wagenknecht nimmt jede Hürde auf dem Weg zum Stadtwerke-Schülermarathon.

Rekordverdächtig Benjamin Wagenknecht beim Levellauf.

Rekordverdächtig Benjamin Wagenknecht beim Levellauf.

Benjamin Wagenknecht ist von der schnellen Sorte. Der U17-Nationalspieler im Floorball holt momentan für die „fitteste Schule“ Leipzigs – die Oberschule Wiederitzsch – einen Lauftitel nach dem anderen. Zuletzt bei den 29. Stadtmeisterschaften im Levellauf. Beim Shuttle-Run, auch Beep Test, bestimmen Tonsignale die Laufgeschwindigkeit zwischen zwei Linien, die 20 Meter voneinander entfernt sind. Der Abstand zwischen den Tönen wird dabei immer geringer, sodass die Strecke immer schneller zurückgelegt werden muss. Der ultimative Fitnesstest. Der 16-Jährige erkämpfte sich mit einem neuen überragenden Altersklassenrekord von Level 15,01 den Stadtmeistertitel. Für Benjamin Wagenknecht eher Training als Tortur: „Ich laufe seit meinem fünften Lebensjahr jeden Tag – sieben Tage die Woche. Floorball – auch Unihockey genannt – gilt als extrem schnelle und laufintensive Sportart. Das Spieltempo ist äußerst hoch. Deshalb bin ich so oft wie möglich laufend unterwegs.“

Sportlehrer und Lauftrainer Jens Roßberg.

Sportlehrer und Lauftrainer Jens Roßberg.

Benjamin Wagenknecht gilt als Leipziger Ausnahmetalent und Ass im Ärmel seines Sportlehrers Jens Roßberg. Der 62-Jährige ist selbst passionierter Volleyballer und Skifahrer – doch zwischen Oktober und März läuft er zu Hochtouren auf, wenn es gilt, seine Schüler auf den Stadtwerke-Schülermarathon – er ist Bestandteil des 48. Leipzig Marathons – vorzubereiten. Sprinten, Traben, Sprinten: Benjamin und seine Schulkameraden trainieren im Sportunterricht Tempowechsel bis zum Pausenklingeln. Der Ehrgeiz hat alle gepackt. Roßberg nutzt jede Möglichkeit, Benjamin und seine Mitläufer mit Augenzwinkern anzufeuern. Da wird schon mal eine Kegelhürde zum Megaphon: „Lauf, Benjamin, lauf!“, schallt es durch die Turnhalle der Oberschule Wiederitzsch.

Spannender Wettkampf beim Stadtwerke-Schülermarathon

3:00:43 – diese respektable Zeit schafften Roßbergs Schützlinge im vergangenen Jahr – ohne Benjamin. Platz 2 im Ranking der Oberschulen. Hinter der Sportoberschule Leipzig. Das Reglement: Jeder Schüler läuft vier Kilometer gegen die Zeit. Die besten zehn Ergebnisse einer Mannschaft werden gewertet und zusammengezählt. Dieses Jahr wollen Roßberg und seine Lauf-Team auf dem Siegertreppchen stehen. „Wir gehen am 19. April mit 18 Jungs im Alter zwischen 12 und 16 Jahren an den Start und haben das Ziel, die Sportoberschule zu schlagen. Mit Benjamin haben wir einen Trumpf, den wir ausspielen wollen“, sagt Roßberg.

Der Ehrgeiz des Sportlehrers kommt nicht von ungefähr. Roßberg ist nicht nur Pädagoge, sondern auch Sportkoordinator des Landesamts für Schule und Bildung in Sachsen (LASUB) und organisiert gemeinsam mit fünf Kollegen in Leipzig Schülerwettkämpfe in allen Sportarten und Disziplinen – von der Grundschule bis zur Berufsschule. Darunter den Schülermarathon, der von den Leipziger Stadtwerken möglich gemacht wird. „Die Kooperation zwischen Stadtsportbund als Veranstalter, Stadtwerken als Sponsor und der Schulaufsichtsbehörde als Organisator währt schon viele Jahre und ist für alle Beteiligten ein Gewinn. Die Förderung des Nachwuchssports ist wichtiger denn je“, sagt Roßberg.

Nach dem Marathon kommt der Ironman

Winterhart Bernd Wommer bei seinem Marathontraining.

Winterhart: Bernd Wommer bei seinem Marathontraining.

Start- und Zielpunkt des Leipzig Marathons ist das Sportforum. „Der Moment, in dem der Seelenbinderturm das zweite Mal auftaucht, fühlt sich jedes Mal wunderbar an. Dann sind es nur noch wenige Schritte ins Ziel“, sagt Bernd Wommer. Der Teamleiter Operatives Controlling bei den Leipziger Stadtwerken macht dieses Jahr die 25 voll: Wommer geht 2026 zum 25. Mal an den Start. Den passionierten Triathleten packt auch mit 45 Jahren noch der Ehrgeiz – seine Zielzeit: 3,5 Stunden. Dafür zieht der Routinier jede Woche 30 Kilometer seine Runden. Müde wird er nicht. Auch Lauf-Langeweile kennt der Leipziger nicht: „Es hat auch seinen Reiz, zwei Mal die gleiche Runde zu laufen – man hat die Chance, auch mal die Spitzenreiter zu sehen. Das hat was“, sagt Wommer. Was er noch am Leipzig Marathon schätzt? „Die mitreißende Stimmung an der Strecke und das Feeling vor Ort: In Berlin und Frankfurt gibt es im Starterfeld immer Gedränge und Gezerre. In Leipzig kann jeder sein eigenes Tempo laufen. Niemand wird überrannt.“

Wommers nächstes Ziel in diesem Jahr: der Ironman in Leipzig. 1,9 Kilometer Schwimmen im Cospudener See, 90 Kilometer Radfahren durch das Neuseenland und ein Halbmarathon zum Abschluss – 70,3 Meilen insgesamt. Am 23. August 2026 soll die Mitteldistanz des Ironmans nach Leipzig kommen und Ausdauersportler wie Wommer aus der Reserve locken. 

70 Jahre Zentralstadion Leipzig: Motiv der Marathon-Medaille

Jörg Matthé

Lauf-Legende Jörg Matthé – der Gründer des Leipziger Laufladens begann als 19-Jähriger seine professionelle Laufkarriere.

Ob Benjamin Wagenknecht, Bernd Wommer oder Lauf-Legende Jörg Matthé, der 2008 den Leipzig Marathon gewonnen hat: Für jeden, der in diesem Jahr eine der fünf Distanzen des Leipzig Marathon meistert, gibt es eine ganz besondere Finisher-Medaille: Sie ist eine Hommage an das „Stadion der 100.000“ – das Zentralstadion Leipzig, das vor 70 Jahren eröffnet worden ist. Das Medaillendesign greift die markante Form der Stadion-Schüssel auf und soll sportliche Leistung mit städtischer Erinnerungskultur verbinden. 

Das Erinnerungsalbum von Jörg Matthé ist bereits voll. Der Gründer des Leipziger Laufladens begann als 19-Jähriger seine professionelle Laufkarriere. 1988 sorgte er als Außenseiter mit seinem Sieg beim Leipziger Auenseemarathon für Aufsehen. Seitdem lief der heute 56-Jährige 105 Marathons. Matthés Erfolge sind eng mit Leipzig verbunden – einer Stadt, die wie geschaffen ist für den Laufsport. „Leipzig zählt zu den grünsten Städten Deutschlands. Die perfekte Mischung aus weitläufigen Parkanlagen, dichten Wäldern und einer lebendigen Vereinskultur macht die Stadt zum Paradies für Ausdauersportler“, sagt Matthé. Für ihn haben der Leipzig Marathon und der Laufsport in der Stadt eine sichere Zukunft – dank engagierter Läufer, begeisterter Veranstalter, Vereinen wie dem SC DHfK Leipzig und starker Partner wie den Leipziger Stadtwerken: „Die Vielfalt an Veranstaltungen und die einzigartige Infrastruktur machen den Laufsport zu einem festen Bestandteil der Leipziger DNA.“

Anmelden, Laufen, Spaß haben

Online sind Anmeldungen bis 18. April möglich. Mehr Infos

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Schon gewusst?

Der erste Stadtmarathon Deutschlands fand 1897 in Leipzig statt. Die erste Deutsche Meisterschaft im Marathonlauf fand ebenfalls in Leipzig statt.

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