Leipziger Gruppe unterstützt das Turnfest
von Antje Friedrich | 20.05.2025
von Carolin Lenz | 20.05.2026
Bei der ersten Kugel Eis im warmen Sonnenschein ist er schon fast vergessen – der Winter der letzten Saison. Alles blüht, wächst schlagartig und vielerorts können wir wieder Bienen auf ihren Sammelflügen beobachten. Sie erinnern uns daran, wie eng Versorgungssicherheit, Umweltverantwortung und Artenvielfalt zusammenhängen – und wie viel selbst kleine Lebensräume im urbanen Raum bewirken können.
Wie es den Bienen der Leipziger Gruppe derzeit geht und warum das Bienenjahr 10 Jahreszeiten zählt, lesen Sie hier.
Eine Honigbiene sitzt in einem blühenden Apfelbaum.
Mattes Scheftelowitz und Daniel Eckardt (v. li.) bei der Arbeit am Bienenstock.
Während die Bienen inzwischen wieder rege unterwegs sind, schauen Daniel Eckardt und Mattes Scheftelowitz auf die vergangenen Monate zurück: „Die Bienen fliegen fleißig, auch wenn der Winter ein, zwei Verluste gefordert hat.“ Die beiden kümmern sich neben ihrer täglichen Arbeit im Netzbetrieb und im Regulierungsmanagement um die Bienenvölker der Leipziger Stadtwerke.
André Soudah zeigt eine Wabe mit Bienen darauf.
Darüber hinaus schwirren die Bienen der drei Völker der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), liebevoll Busbrummer genannt, seit dem vergangenen Jahr auf dem Gelände des Lindenauer Bushofs umher, betreut durch Berufsimker und Bienenpädagoge André Soudah. Die Bienen der Leipziger Stadtwerke und der LVB stehen dabei in unterschiedlichen Leipziger Stadtteilen – und leisten so ganz konkret einen Bestäubungsbeitrag in ihren jeweiligen Quartieren.
André Soudah blickt optimistisch auf die nun beginnende Saison: „Der Regen der vergangenen Tage führt dazu, dass die Pflanzen und Bäume länger Nektar produzieren, was unseren Bienen hilft. Der Mai 2025 war hingegen sehr trocken und dementsprechend mussten alle Insekten mit einer kürzeren Blühsaison zurechtkommen.“
Während wir Menschen das Jahr in vier Jahreszeiten einteilen, folgen Bienen einem deutlich feineren Takt. Für Imkerinnen und Imker besteht das Bienenjahr daher aus zehn phänologischen Jahreszeiten: Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter. Grundlage dieser Einteilung ist nicht das Kalenderdatum, sondern die Abfolge der Pflanzenblüte – also genau das, worauf Bienen angewiesen sind.
Im phänologischen Kalender wird das (Bienen)jahr in 10 Jahreszeiten eingeteilt.
Brombeersträucher liefern nicht nur schmackhafte Beeren, die Blüten sind außerdem auch eine beliebte Nahrungsquelle bei Bienen.
Auch in Leipzig lässt sich dieser Rhythmus gut beobachten. Im Vorfrühling läuten Hasel und Erle das neue Bienenjahr ein. Ihre Pollen sind für die Völker besonders wichtig, um nach dem Winter die Brut zu versorgen aus der zahlreiche Jungbienen entstehen. Im Erstfrühling folgen Weide, Kirsche und erste Obstgehölze – jetzt nimmt die Bautätigkeit im Stock spürbar zu.
Mit der Apfelblüte beginnt der Vollfrühling, der meist von Ende April bis Ende Mai anhält. In dieser Phase ist das Nahrungsangebot in Leipzig besonders vielfältig: Obstbäume, Löwenzahn, Ahorn und nicht zuletzt der flächendeckend angebaute Raps liefern reichlich Nektar und Pollen. Der daraus entstehende helle Rapshonig ist vielen Honigliebhaberinnen und -liebhabern gut bekannt.
Späte Blütenpracht: Eine Honigbiene sammelt den Nektar der Fetthenne.
Im Frühsommer und Hochsommer stehen Linden, Robinien, Brombeeren und zahlreiche Wild- und Gartenpflanzen in Blüte. Gerade die Linden prägen das Leipziger Stadtbild – und sind zugleich die zweite zentrale Haupttracht im Jahresverlauf der Bienen. Neben der Obstblüte liefern sie einen Großteil des Nektars, den die Bienen der Leipziger Stadtwerke und der LVB eintragen. Jetzt läuft das Volk auf Hochtouren: Honig wird in Waben gefüllt und Vorräte werden angelegt.
Der Spätsommer, meist im August, markiert langsam den Übergang in die zweite Jahreshälfte des Bienenjahres. Sonnenblumen, Klee, Disteln und Phacelia bieten weiterhin Nahrung, bevor mit Früh- und Vollherbst andere Pflanzen in den Fokus rücken. Besonders wertvoll sind jetzt spät blühende Arten wie Herbstastern und Fetthenne, die den Bienen helfen, ihre Wintervorräte zu ergänzen. Im Spätherbst endet die Blühsaison schließlich, die Flugaktivität nimmt ab. Die Völker ziehen sich zusammen, die Königin stellt die Brut ein. Es beginnt der Winter – eine Zeit der Ruhe, in der die Bienen von den gesammelten Vorräten leben und ihre Energie bündeln, bis der Kreislauf im Vorfrühling erneut beginnt.
Der phänologische Bienenkalender zeigt uns eindrucksvoll, wie eng das Überleben der Bienen mit einer durchgehenden, abwechslungsreichen Blütenlandschaft verknüpft ist. Jeder Baum, jede Wiese und jede Blühfläche zählt – in Leipzig genauso wie anderswo. Umso wichtiger ist es, Lebensräume zu erhalten und zu schaffen, die den Bienen über alle zehn Jahreszeiten hinweg Nahrung bieten.