Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs geht voran
Freitag, 3. Juli 2026
Die Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs nach den Rekord-Hitze-Schäden im Gleisnetz der Leipziger Verkehrsbetriebe geht weiter voran.
Die Leipziger Verkehrsbetriebe arbeiten seit vergangenem Samstagabend mit Hochdruck an der Beseitigung der Hitze-Schäden im gesamten Gleisnetz, damit das Unternehmen schnellstmöglich den Straßenbahnbetrieb vollständig wieder aufnehmen kann. In der Zwischenzeit werden die Freikontingente für Nextbike in der App LeipzigMOVE verlängert. Registrierte Kunden erhalten noch bis einschließlich 5. Juli bei jeder Nextbike-Nutzung in Leipzig über LeipzigMOVE jeweils 30 Freiminuten. LeipzigMOVE-Kunden können so auf eins von mehr als 1.200 Fahrrädern zurückgreifen.
Auch Dank der Unterstützung zahlreicher Helfer nimmt die LVB jeden Tag weitere Streckenabschnitte wieder in Betrieb: Mittlerweile sind sieben Straßenbahnlinien zumindest teilweise wieder unterwegs ‒ die 1, 3, 7, 11, 14, 15 und 16.
Damit sind alle Stadtteile wieder angebunden ‒ und das ab 4. Juni gültige Bauliniennetz wird vorbehaltlich einzelner Einschränkungen ab Samstag sichergestellt. Die LVB informieren ständig über www.L.de/v und auf Social Media zu den Fortschritten. Hier finden Kunden auch eine dynamische Übersichtskarte. Alle aktuellen Verbindungen finden Fahrgäste in der App LeipzigMOVE.
Torsten Bonew, Finanzbürgermeister der Stadt Leipzig und Aufsichtsratsvorsitzender der LVB, machte sich gestern vor Ort ein Bild und bedankte sich bei allen, die aktiv mit anpackten, insbesondere beim Team der LVB. „Es ist ein außergewöhnliches Ereignis gewesen, das wir sehr bedauern. Die Entscheidung, Straßenbahnen aus dem Netz zu nehmen, ist uns nicht leicht gefallen. Aber wir haben auch gesehen, wie die Leipzigerinnen und Leipziger Verständnis aufbringen ‒ und viele aktiv helfen. Dieses gemeinsame Anpacken, das ist für mich typisch Leipzig. Jetzt sehen wir wieder Straßenbahnen in unserer Stadt fahren. Dafür bedanke ich mich herzlich. Ich bin den LVB und ihren Unterstützern sehr dankbar, dass ich heute mit meiner Familie zum Klassik airleben fahren kann."
„Es ist uns ein Herzensanliegen, uns bei den Leipzigerinnen und Leipzigern für ihr Verständnis, ihre Geduld und auch ihre tatkräftige Unterstützung zu bedanken. Die große Hilfsbereitschaft so vieler Freiwilliger zeigt gelebtes Gemeinwohl in unserer Stadt. Durch die Gemeinschaftsleistung mit unseren Experten, mit Fahrpersonal und Bürokollegen kommen wir im Netz sehr gut voran. So geht Zusammenhalt in Leipzig", sagt Ulf Middelberg, Geschäftsführer der LVB.
Für einen dritten und letzten Freiwilligeneinsatz am morgigen Samstag von 10 bis 18 Uhr bitten die LVB noch einmal um Unterstützung. Der Einsatz findet an folgenden Treffpunkten statt: Haltestelle Leibnizstraße und Haltestelle Wintergartenstraße.
Am Samstag startet mit Beginn der Schulferien, wie bereits berichtet, die Baumaßnahme an der Westseite am Hauptbahnhof.
Gutachter beginnt Analyse
Der externe Gutachter Ian Veigl, Sachverständiger der TÜV Süd Rail, nahm inzwischen im Auftrag der LVB-Geschäftsführung seine Arbeit auf. „Im Rahmen einer umfassenden Bestandsaufnahme habe ich am Donnerstag sowohl Strecken, die keine Beschädigungen aufwiesen, als auch die jüngst durch Hitze beschädigten Abschnitte des Gleisbettes untersucht“, so Veigl. „Um ein lückenloses Bild der Substanz und der Schadensursachen zu erhalten, greift unsere Methodik auf drei tragende Säulen zurück: die visuelle Bestands- und Schadensaufnahme vor Ort, eine Dokumentenprüfung der Planungs- und Bauakten sowie die anschließende laboranalytische Untersuchung.“
Für die materialtechnische Untersuchung seien insgesamt neun Materialproben entnommen worden, so Veigl. „Während drei Proben aus unauffälligen Referenzbereichen als Kontrollwerte dienen, werden sechs Proben aus den schadhaften Zonen nun im Labor präzise analysiert. Erst nach der Auswertung aus der Dokumentenprüfung sowie den Ergebnissen der labortechnischen Untersuchungen können wir eine fundierte Aussage darüber treffen, welche Ursachen zu diesen Schadensbildern geführt haben.“
„Mit unserem Gutachter bewerten wir in der gebotenen Sorgfalt die Fugenvergussmasse aus den schadhaften und den nichtschadhaften Gleis-Trassen“, sagt Toralf Müller, technischer Geschäftsführer der LVB. „Der Einbau neuer Fugen ist für vier Wochen ausgesetzt, auch auf den laufenden und jetzt startenden Bauprojekten. Dies beeinträchtigt nicht deren Start, da die Fugen zum Schluss kommen. Bis dahin bewerten wir anerkannte technische Lösungen für den Fugenverguss sowie das Einbauverfahren, zu welchen wir uns mit Verkehrsunternehmen aus ganz Europa austauschen.“
Die Ergebnisse des Gutachters führen die LVB also mit weiteren Erkenntnissen zusammen. Hierzu dient beispielsweise neben dem Austausch mit Verkehrsunternehmen aus anderen Städten auch eine interne Analyse zu Betriebsabläufen und Meldeketten. Im Anschluss sind gemeinsam mit der Stadt Leipzig die Folgen für Stadtraumgestaltung, Gleisbau und Betrieb abzuleiten. Die Konsequenzen des Klimawandels werden perspektivisch aus Sicht der LVB branchenweit zu angepassten Lösungen führen müssen.