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Ein Ei im Kanal? Warum Leipzig eiförmige unterirdische Bauwerke hat

von Sonja Bley | 02.04.2026

Zu Ostern dreht sich alles um Eier. Auch bei den Leipziger Wasserwerken, denn sie nutzen tatsächlich eiförmige Profile in der Kanalisation. Warum das so ist, wie sie funktionieren und was Leipzigs Kanalnetz sonst noch ausmacht, verraten wir hier.

Blick durch ein großes, eiförmiges Kanalprofil aus rotbraunem Mauerwerk. Der Innenraum des Segments bildet einen Tunnel, durch den eine helle Hauswand im Hintergrund sichtbar ist. Das Bild vermittelt eine bauliche Perspektive im Kontext von Tiefbau oder Wasserinfrastruktur.

Eiförmige Kanäle? Die gibt es wirklich, nicht nur in Leipzig. Und das schon seit 1850. Sie gehören zu den cleversten Konstruktionen im Leipziger Untergrund. 

Warum gibt es eiförmige Kanäle?

Auf den ersten Blick wirkt ein Kanal in Form eines Eis ungewöhnlich. Auf den zweiten ist er ein kleines Meisterwerk. Das Eiprofil ist ein Klassiker im Kanalbau. In Leipzig stammen die ältesten Kanäle aus dem 19. Jahrhundert – so wurde der Kanal unter der Grimmaischen Straße 1850 errichtet. Er ist eiförmig gemauert und immer noch in Betrieb. 

Vorzüge der Eiform

  • Mehr Tempo bei wenig Wasser: Bei Trockenwetter fließt das Abwasser durch die schmale Spitze des „Eis“. Dadurch bleibt die Fließgeschwindigkeit hoch und weniger Stoffe lagern sich ab. Der Kanal reinigt sich ein Stück weit selbst.

  • Mehr Platz bei starkem Regen: Steigt die Wassermenge, füllt sich das breitere obere Segment. So können große Mengen Regenwasser sicher abgeführt werden.

  • Stabil und langlebig: Die stabile, gewölbte Form haben sich die Erbauer bei der Natur abgeschaut. Denn die Eiform verteilt Lasten gut und eignet sich besonders für gemauerte Kanäle, wie sie in vielen älteren Städten vorkommen – auch in Leipzig.

Eiprofile im Leipziger Kanalnetz

In den typischen Gründerzeitvierteln sind viele Eiprofile versteckt. Dazu gehören unter anderem die Innenstadt, das Waldstraßenviertel oder auch Musikviertel. Das durchschnittliche Ei ist 1,30 Meter hoch und misst an der breitesten Stelle 85 Zentimeter. Damit gilt es für Kontrollen und Sanierung als begehbar. Das größte Leipziger Kanal-Ei ist 2,52 Meter hoch und 2,25 Meter breit. Damit ist es ein Sonderprofil „Ei-gedrückt“. 

Zwei Mitarbeiter der Leipziger Wasserwerke laufen durch einen Abwasserkanal in Schutzkleidung, mit Helm und Handlampe

In Leipzig gibt es 28 Profil-Arten von 15 Zentimetern bis 3,5 Meter Höhe

5 Fakten über das Leipziger Kanalnetz

  • 1

    Knapp 3.000 Kilometer lang sind die Kanäle unter Leipzigs Straßen.

  • 2

    In Leipzig gibt es 28 Profil-Arten, z. B. Ei-, Maul- oder Kreis-Profil. Allein von den Eiprofilen gibt es fünf verschiedene Typen, z. B. Ei-gedrückt, Ei-abgeschnitten oder Ei-überhöht.
     

  • 3

    Die kleinsten Kanäle sind Hausanschlüsse. Diese haben einen Durchmesser von 15 Zentimeter und leiten das Abwasser aus den Haushalten in den Kanal.

  • 4

    Wahre Riesen sind die vier Abwasserhauptsammler. Sie sind bis zu 3,40 Meter hoch und führen das Schmutzwasser zum Klärwerk Rosental, wo es gereinigt wird.

  • 5

    Der Großteil des Leipziger Kanalnetz ist historisch als Mischwasserkanalisation gewachsen. Darin werden Schmutzwasser und Regenwasser gemeinsam entsorgt. 

Verjüngungskur für die Kanäle

In einem lang, dunklen gemauerten Abwasserkanal sitzt in einiger Entfernung ein Bauarbeiter in weißer Schutzkleidung und arbeiten an den Kanalwänden. Er muss sitzen, weil der Kanal zum Stehen zu niedrig ist.

Historische Kanäle wurden in der Regel gemauert. Sie befinden sich oft in Gründerzeitvierteln

Ein Teil der Leipziger Kanäle hat schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel. Die ältesten sorgen seit 176 Jahren für die Entsorgung des häuslichen Abwassers und der Niederschläge. Garant für die Langlebigkeit und Stabilität ist die Eiform. Dennoch brauchen auch diese Kanäle ein Lifting. Dafür erfassen die Leipziger Wasserwerke den Zustand ihrer Kanäle. Danach legen sie fest, welche Sanierungsmethode zum Einsatz kommt. Manchmal reicht es, die Kanäle von Hand zu sanieren. Dann arbeiten die Kollegen fast unbemerkt unterirdisch im Kanal und verputzen die Innenseiten der Kanäle. 

Über einen Förderturm wird ein großer Schlauch aus Gewebe in einen Abwasserkanal eingezogen. Auf dem Turm steht ein Arbeiter und kontrolliert den Vorgang.

Beim Schlauchlining wird ein Schlauch über einen Förderturm in den Altkanal eingezogen

In anderen Fällen kommt das sogenannte Schlauchlining zum Einsatz. Dabei wird ein Schlauch in den Kanal eingezogen. Dort legt er sich, wie eine zweite Haut an die Kanalwand. Anschließend muss das Material aushärten. Warmes Wasser, Dampf oder UV-Licht unterstützen diesen Prozess. Der Vorteil an diesem Verfahren: Die Sanierung geht schnell und die Baustelle ist sehr klein, denn die Straße muss nicht großflächig aufgegraben werden. 

Jetzt mehr erfahren

In einer tiefen Baugrube, die durch Spundwände gesichert wird, ist ein eiförmiges Kanalstück zu sehen. Es ist zu erkennen, dass dieses Kanalstück neu eingebaut wurde.

In der Holbeinstraße wird ein eiförmiger Kanal in offener Bauweise errichtet

Doch grabenlos geht es nicht immer. Die vielen Baustellen in Leipzig sind Zeichen dafür. Allein 2024 flossen 50 Millionen Euro in den Aus- und Neubau des Kanalnetzes. 


Hier: mehr Infos zu den Baustellen der Leipziger Wasserwerke 

Tierische Mitbewohner im Kanal

Trotz der vielen unterirdischen Eier: Osterhasen leben nicht im Leipziger Kanalnetz. Dafür allerdings ein anderes Tier: die Ratte. Warum sie sich dort so wohlfühlt und welche Rolle falsch entsorgte Abfälle spielen, lest ihr hier: Ratten - unsere (un-)bekannten Mitbewohner
 

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