Interview: 7 Fragen an Yvonne

Donnerstag, 28. April 2022

Leben ist, was du draus machst! Wie pflanzliche Lebensmittel deinen Speiseplan bereichern – das erklärt Ernährungsberaterin Yvonne Hilla von Zeitgemäß kochen im Interview.

 

1) Wer bist du und was machst du?

Ich bin Yvonne. Ich arbeite seit 2014 als Ernährungsberaterin und Pflanzenköchin in Leipzig und Dreiskau-Muckern.

In Kochkursen möchte ich Erwachsene als auch Kinder für eine gesunde pflanzliche Ernährung begeistern, die lecker schmeckt und einfach zu Hause umzusetzen ist.

Und wer sich einfach mal verwöhnen lassen möchte, kommt zu meinen Dinnerevents. Hier darf ich mich austoben, um zu zeigen, dass regionale Pflanzenküche weitaus mehr kann, als nur die Beilage sein.

2) Warum selber machen statt fertig kaufen?

Versteckte Zucker, schlechte Fette und andere Zusatzstoffe, die kein Gericht braucht, bleiben beim Selbermachen einfach draußen.

Unverarbeitete, frische Lebensmittel – am besten noch in ihrer Saison und regional eingekauft – schmeckten nicht nur besser, sondern punkten mit einer höheren Nährstoffdichte.

Wie ich am Beispiel Brot am eigenen Leib erfahren durfte, ist Selbstgemachtes oftmals besser verträglich. Seit ich mein Brot mit Sauerteig und langen Garzeiten selbst backe, habe ich keine Bauchschmerzen mehr und vertrage es ganz wunderbar.

3) Selber kochen und backen kostet Zeit. Warum ist es das wert?

Selbstgekochtes muss keine Ewigkeit dauern. Wer sich eine kluge Vorratshaltung angelegt hat, zaubert sich eine gesunde, vollwertige Mahlzeit in unter 20 Minuten auf den Tisch.

Ich habe immer gekochte Hülsenfrüchte und Getreide greifbar, dazu Nüsse, Trockenfrüchte und gute Öle. Zusammen mit Frischem wie Obst, Gemüse und Sprossen ist damit alles abgedeckt, was der Körper braucht.

Warum es das wert ist?

Wegen uns selbst und wegen unserer Kinder. Ich sehe das Kochen auch ein Stück weit als Bildungsauftrag. Wir sollten Kindern ermöglichen, ein Grundverständnis für gesunde Ernährung zu erhalten. Dazu braucht es den Zugang zu unverarbeiteten Lebensmitteln und die Einladung, immer mal wieder mitzukochen. Gerade das Mitmachen und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, finden die meisten Kinder erstmal spannend.

Kindern lernen beim Kochen und Probieren unterschiedlichste Lebensmittel roh und verarbeitet kennen. Sie lernen, Geschmacksrichtungen wie süß, sauer, salzig und bitter zu unterscheiden. Nur so können sich ihre Geschmacksknospen erst richtig entwickeln.

4) Genau nach Rezept oder lieber nach Gefühl – welcher Kochtyp bist du?

Absolut nach Gefühl!

Ich lass mich gern von schönen Rezepten inspirieren. Was aber letztlich auf den Teller kommt, entscheide ich meist beim Einkaufen. Wenn mich der perfekte Romanesco anlacht, werfe ich den Einkaufszettel schon mal über Board. Das passiert auch oft, während ich koche. So entstehen immer neue Kombinationen.

Wer gerade mit der Pflanzenküche anfängt, dem vermittle ich in meinen Kursen natürlich erst ein Grundverständnis in Form von Basisrezepten. Aber bereits zum Ende der Kurszeit wird auch experimentiert, indem wir uns für die Reste gemeinsam neue kreative Umsetzungsmöglichkeiten überlegen.

Genau so entsteht ein Gefühl fürs Kochen.

5) Wie möchtest du Menschen mit deinen Rezepten inspirieren?

Mein Herzensthema ist die Pflanzenküche. Also Gerichte, bei denen überwiegend mit pflanzlichen Lebensmitteln und Produkten gekocht wird.

Klar, anfangs muss man sich umstellen. Denn es geht bei der pflanzlichen Ernährung nicht darum, Dinge wegzulassen oder nur noch Beilagen zu essen. Es geht darum, Rezepte neu zu denken. Statt des Bratens wird dann eben der Blumenkohl zum Star auf dem Teller.

Und wenn ich mit dieser Küche auch noch Klein und Groß am Tisch überzeugen kann, sie Lust haben, selbst mehr zu kochen, dann hab ich mein Ziel erreicht.

6) Was sind deine top 3 Gründe fürs selber kochen?

  1. Kochen ist für mich Leidenschaft und aktive Entspannung – das Gemüseschneiden ist die beste Meditation.
  2. Ich weiß, was drin ist.
  3. Erst gemeinsam kochen und dann gemeinsam genießen – das ist für mich eines der größten Geschenke, die man sich machen kann.

7) Was möchtest du HobbyköchInnen in spe mitgeben?

Seid mutig, experimentiert mit rein pflanzlichen Rezepten und lasst euch von neuen Geschmäckern inspirieren. Und probiert auch immer wieder unterschiedliche Produkte aus. Es gibt zum Beispiel Tofu, der schmeckt nach Pappe, andere sind ein echter Genuss.

Vielen Dank!

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